Methode

Die Vitage-Skala

Jede Aussage über eine Wirkung trägt einen von vier Evidenzgraden. Wissen aus alten Heiltraditionen kennzeichnen wir mit einem eigenen Zeichen. So sehen Sie auf einen Blick, was erforscht, was überliefert und was nur vermutet ist.

Vier Grade

Stark, mittel, schwach, unbelegt

Die Teilstriche erinnern an eine Messpipette. Je mehr gefüllt sind, desto tragfähiger die Studienlage.

Stark

Stark

Mehrere gute randomisierte Studien oder systematische Übersichtsarbeiten kommen zum selben Ergebnis. Die Wirkung ist beim Menschen gezeigt und gross genug, um zu zählen.

Beispiel: Blutdrucksenkung gegen Herzinfarkt und Schlaganfall

Mittel

Mittel

Übereinstimmende Beobachtungsdaten aus grossen Gruppen oder einzelne gute Studien am Menschen. Ein Zusammenhang ist wahrscheinlich, Ursache und Wirkung sind nicht sicher getrennt.

Beispiel: Regelmässige Schlafzeiten

Schwach

Schwach

Erste Studien, kleine Fallzahlen, kurze Dauer oder vor allem Daten aus Labor und Tierversuch. Interessant, aber noch keine Grundlage für Entscheidungen.

Beispiel: NAD-Vorstufen wie NMN

Unbelegt

Unbelegt

Eine Behauptung ohne tragfähige Studien am Menschen. Das heisst nicht, dass sie falsch ist. Es heisst, dass niemand es weiss.

Beispiel: Forschungspeptide wie BPC-157

Forschung und Überlieferung

Drei Arten von Wissen, drei Zeichen

Vitage ist ein ganzheitliches Magazin. Wir schreiben über TCM, Ayurveda und Kneipp genauso wie über Studien. Damit Sie den Unterschied sehen, trägt jede Art von Wissen ein eigenes Zeichen.

Stark

Erforscht

Aussagen über eine Wirkung, gestützt auf Studien am Menschen. Mit Grad, Quelle und Studientyp.

Überliefert, TCM

Überliefert

Lehren aus TCM, Ayurveda, Europäischer Naturheilkunde, Kneipp, Klostermedizin und Yoga. Mit Herkunft, Stellung in der Schweiz und Stand der Forschung. Die Jahresringe stehen für Wissen, das über Generationen gewachsen ist.

Erfahrung

Erlebt

Was eine einzelne Person erlebt hat. Mit Name und Rolle, ohne Anspruch, für alle zu gelten.

  • Respekt

    Wir erklären eine Tradition in ihrer eigenen Logik, etwa Qi oder die Doshas, und benennen sie als Denkmodell.

  • Trennung

    Alter ist kein Wirkungsnachweis. Fehlende Studien sind aber auch kein Gegenbeweis. Beides sagen wir so.

  • Beides zeigen

    Gibt es Studien zu einer überlieferten Methode, steht neben dem Zeichen «Überliefert» auch der Grad der Vitage-Skala.

  • Sicherheit zuerst

    Risiken nennen wir immer: Wechselwirkungen mit Medikamenten, verunreinigte Präparate, eine verzögerte Diagnose.

  • Der Schweizer Massstab

    Die Komplementärmedizin steht seit 2009 in der Bundesverfassung. Seit 2017 zahlt die Grundversicherung fünf ärztliche Methoden: Akupunktur, anthroposophische Medizin, Arzneitherapie der TCM, klassische Homöopathie und Phytotherapie. Wir sagen dazu, wie die Schweiz eine Methode einordnet.

Woran wir messen

Nicht jede Studie wiegt gleich viel

Je weiter oben ein Studientyp steht, desto eher lässt er Schlüsse über Ursache und Wirkung beim Menschen zu.

Systematische Übersichten und Meta-Analysenfassen viele Studien zusammen
Randomisierte kontrollierte StudienZufall entscheidet über die Gruppe
Kohortenstudienbeobachten grosse Gruppen über Jahre
Fall-Kontroll-Studienvergleichen Erkrankte mit Gesunden
Laborstudien, Tierversuche, Fallberichteerste Hinweise
Meinung einzelner Fachleuteohne eigene Daten

Unser Vorgehen

So entsteht ein Grad

  1. Die Behauptung festhalten

    Was genau wird versprochen, für wen und in welcher Zeit? Eine unklare Behauptung lässt sich nicht prüfen.

  2. Die Studien suchen

    Wir suchen in Fachdatenbanken wie PubMed und der Cochrane Library, nicht in Pressemitteilungen.

  3. Die Studien gewichten

    Studientyp, Grösse, Dauer, Teilnehmende, Finanzierung. Eine Studie an 20 Mäusen zählt anders als eine an 20’000 Menschen.

  4. Den Grad vergeben

    Die Redaktion vergibt den Grad und begründet ihn im Text oder in der Randnotiz, mit Quelle.

  5. Gegenlesen lassen

    Medizinische Beiträge wird eine Fachperson aus unserem Fachbeirat gegenlesen. Der Fachbeirat ist im Aufbau. Bis dahin prüft die Redaktion jede Zahl an der Originalquelle und nennt sie im Beitrag.

  6. Aktualisieren

    Neue Studien können einen Grad verändern. Wir passen ihn an und vermerken das Datum.

Grenzen

Was die Skala nicht ist

  • Keine Empfehlung

    Ein starker Grad sagt, dass eine Wirkung belegt ist. Ob sie für Sie passt, klären Sie mit einer Fachperson.

  • Keine Diagnose

    Vitage informiert, ersetzt aber keine ärztliche Beratung.

  • Nicht käuflich

    Partner können keinen Grad kaufen und keinen Grad ändern lassen. Auch Partnerinhalte durchlaufen die Prüfung.

  • Nicht endgültig

    Wissenschaft ändert sich. Fehler korrigieren wir offen und mit Datum.

Der Sonntagsbrief

Einmal pro Woche, zum ersten Kaffee

Eine Erkenntnis aus der Forschung mit Evidenzgrad, ein Ritual für die Woche, eine Adresse. Jeden Sonntag um sieben.